Naturtuche Textil-Lexikon: Von Atlasbindung bis Zwirn
Willkommen in unserem Textil-Lexikon. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe rund um Naturfasern, historische Gewebe und traditionelle Herstellungstechniken.
A – C
- Atlasbindung
- Neben der Leinwand- und Köperbindung eine der drei Grundbindungsarten. Sie zeichnet sich durch eine glatte, oft glänzende Oberseite und eine matte Unterseite aus. Stoffe in Atlasbindung fallen sehr weich (z. B. Satin).
- Baumwolle
- Eine pflanzliche Naturfaser, die aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen wird. Sie ist sehr saugfähig, hautfreundlich und robust. In der historischen Darstellung (z. B. europäisches Mittelalter) ist sie weniger verbreitet als Leinen oder Wolle, war aber im Orient schon früh bekannt.
- Brokat
- Ein schwerer, fester und gemusterter Stoff, in den oft Gold- oder Silberfäden eingewebt sind. Er wurde traditionell für festliche und prunkvolle historische Gewänder genutzt.
D – F
- Damast
- Ein Gewebe, bei dem sich Kett- und Schussfäden so abwechseln, dass eingewebte, oft großflächige Muster entstehen, die je nach Lichteinfall changieren.
- Fischgrat (Fischgrät)
- Ein klassisches Webmuster, das durch eine spezielle Variante der Köperbindung entsteht. Die Richtung des Grates wird in regelmäßigen Abständen gewechselt, wodurch das typische zickzackförmige Muster entsteht, das an Fischgräten erinnert.
Klassisches Fischgrat-Muster aus Wolle - Flachs
- Die Pflanze, aus deren Stängeln die Leinenfaser gewonnen wird. Der Begriff wird oft synonym für das rohe, unversponnene Material verwendet.
G – K
- Gewicht (g/m² oder g/lfm)
- Gibt an, wie schwer und damit meist auch wie dick ein Stoff ist. Leichte Sommerstoffe wiegen etwa 100-150 g/m², schwere Mantelstoffe aus Wolle oft über 400 g/m².
- Hanf
- Eine der ältesten Nutzpflanzen. Die aus dem Stängel gewonnenen Fasern sind extrem reißfest, schmutzabweisend und feuchtigkeitsregulierend. Hanfstoffe ähneln optisch dem Leinen, sind aber oft noch robuster.
- Kette (Kettfaden)
- Die Fäden, die beim Weben längs in den Webstuhl gespannt werden. Sie müssen besonders reißfest sein, da sie stark unter Spannung stehen.
- Köperbindung
- Eine der drei Grundbindungsarten, erkennbar an dem schräg verlaufenden “Grat” (wie bei Jeansstoff). Köpergewebe sind weicher, fülliger und oft strapazierfähiger als leinwandbindige Stoffe.
Der diagonale Grat der Köperbindung
L – O
- Leinen
- Eine Naturfaser, die aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen wird. Leinen ist glatt, schließt wenig Luft ein (daher kühlend), ist extrem reißfest und flust nicht. Es war über Jahrhunderte der Standardstoff für Unterkleidung und Hemden.
Die typische Struktur von Leinenstoff - Leinwandbindung (Tuchbindung)
- Die älteste und einfachste Webart. Jeder Schussfaden geht abwechselnd über und unter einem Kettfaden hindurch. Die Ober- und Unterseite (rechte und linke Warenseite) sehen exakt gleich aus. Das Gewebe ist sehr fest und scheuerbeständig.
- Loden
- Ein widerstandsfähiger Wollstoff. Ursprünglich ein grobes, nicht gewalktes Wollgewebe, heute meist als Synonym für dicht gewebte und leicht gewalkte Streichgarngewebe verwendet, die wind- und wasserabweisend sind.
P – S
- Schuss (Schussfaden)
- Der Faden, der beim Weben quer zu den Kettfäden von einer Seite zur anderen “geschossen” (gewebt) wird.
- Seide
- Die einzige in der Natur vorkommende endlose Textilfaser. Sie wird aus den Kokons des Seidenspinners (einer Raupenart) gewonnen. Seide isoliert gut gegen Kälte und Wärme, hat einen natürlichen Glanz und war historisch ein absolutes Luxusgut.
- Streichgarn
- Ein Garn, das aus kürzeren Wollfasern gesponnen wird. Die Fasern liegen nicht exakt parallel, was das Garn voluminöser, weicher und lufteinschließender macht. Ideal für wärmende Stoffe.
T – Z
- Tuch
- Historisch die Bezeichnung für ein dichtes, nach dem Weben gewalktes (verfilztes) und aufgerautes Gewebe aus Schafwolle. Heute oft als allgemeiner Begriff für Stoff verwendet.
- Walkloden
- Ein Wollstoff, der nach dem Weben in warmem Wasser und unter Druck geknetet (“gewalkt”) wird. Dadurch verfilzen die Wollfasern ineinander. Das Gewebe schrumpft, wird extrem dicht, winddicht, wasserabweisend und franst an den Schnittkanten nicht mehr aus. Ein idealer Stoff für warme historische Oberbekleidung und Mäntel.
Dichter, verfilzter Walkloden aus Wolle - Wolle
- Tierische Naturfaser, meist vom Schaf (Schurwolle). Wolle kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Sie ist stark wärmeisolierend, schmutzabweisend und knitterarm.
- Zwirn
- Entsteht, wenn zwei oder mehr fertige Garne miteinander verdreht werden. Zwirn ist deutlich reißfester und gleichmäßiger als ein einfaches Garn.


